Monat: April 2001

Imkerregal

Die umfangreiche Bestückung des Regals war von einer Firma für Imkereibedarf ausgeliehen. Ich hatte zunächst mit der Hauptstelle in der Rheinpfalz verhandelt, dann bekam ich von einem kleinen Laden nördlich von München die Erlaubnis, mir für einen Monat so viel zu borgen, wie ich brauchte. Der Einfachheit halber nahm ich von jedem Gegenstand ein Stück. Kein Imker hat übrigens Verwendung für all diese Geräte. Die meisten werden nur das grundlegende Rüstzeug brauchen. Als ich anfing, Bienen zu halten, kam ich mit dem Minimum aus. Erst nach und nach kaufte ich mir Kübel und Rähmchen und lieh mir von einem Freund, der aufgehört hatte, seine rostige Drei-Waben-Schleuder. Und selbst dann besaß ich kein Zehntel dessen, was im Regal lag.

Aus den Geräten lässt sich rekonstruieren, worin das Tätigkeitsfeld des Imkers besteht. Während der Ausstellung konnte ich beobachten, wie Besucher neugierig das Regal umstanden und darüber debattierten, wofür die einzelnen Elemente gebraucht werden mochten. Eine überwiegende Reihe von Gegenständen sperrt sich der einfachen Entschlüsselung. So war allgemein zwar klar, dass es sich um Imkereibedarf handeln muss, das zeigte auch der Titel an, im Einzelnen blieben die Utensilien in ihrer Verwendung den Besuchern aber rätselhaft.

Die Herkunft der Gerätschaften, die das Berufsbild Imker aufspannen, hat, wie ich meine, zweierlei Wurzeln. Zum einen finden sich Gegenstände, die für bestimmte Erfordernisse entworfen wurden. Sie sind aus einem Bastelgestus entstanden, sie folgen einfach der Spur des Notwendigen, und danach sind sie ohne erhebliche formale Glättung in Serie gefertigt worden. Sie strahlen einen vorindustriellen Charme aus. Die übrigen Geräte sind fremden, manchmal weit entfernten Tätigkeitsbereichen entlehnt. Das maximale Beispiel ist der Baustellenquirl (jedoch aus Edelstahl), mit dem anstatt Beton nun Honig gerührt wird. Ebenfalls ein anspruchsvolles Element ist ein kleiner Transformator, der bei Modelleisenbahnen zum Einsatz kommt. Imker, die ihre alten Rähmchen erneut verwenden, ziehen einen Edelstahldraht mittig ein. Mithilfe des Transformators werden der Draht erhitzt und wächserne Mittelwände eingelötet.

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