Monat: September 2019

Enzyme

Vom Wort Enzym behauptet Wikipedia, es sei ein neoklassisches Kunstwort, das dem Griechischen entlehnt sei, und sei gleichbedeutend mit dem früher verwendeten Wort Ferment, das aus dem Lateinischen stamme. Gemeint sind Stoffe, die chemische Prozesse beschleunigen, ohne sie zu beeinflussen. Ich erinnere mich deutlich, wie wenig ich den Chemieunterricht in der Schule leiden konnte und daher zusah, das Fach so schnell, wie es damals möglich war, abzulegen. Dennoch ist mir das Wort Katalysator als Bezeichnung im Sinn hängen geblieben.

Enzyme werden in der Chemie auf einfallsreiche, beinahe kunstvolle Weise, reichlich bunt räumlich dargestellt, was mich dazu brachte, diese als Bilder selbst zu begreifen und zu verwenden. Sie enthalten Luftschlangen, die wir als Kinder am Fasching in den Raum geblasen haben, und Pfeile, die auf Bewegungsrichtungen verweisen. Ich jagte einfach Bilder davon durch den Farbkopierer und brachte sie als Nitrofrottagen aufs Papier.

Der Ausgangspunkt ist, dass man das Vorhandensein einer begrenzten Menge von Enzymen im Honigmagen der Biene nachgewiesen hat. Sie beschleunigen die Umwandlung von Nektar in Honig, und wenn die Biene mit ihrer gesammelten Ladung im Stock ankommt, ist ein Teil der Arbeit bereits abgeleistet. Dennoch liefert sie den vorfermentierten Honig ab, ihre Schwestern beziehungsweise Stiefschwestern nehmen ihn auf, führen den Vorgang weiter und am Ende, nach diversen Durchgängen, wird der Pflanzensaft schließlich als Honig eingelagert.

Im Honig sind ebenfalls Enzyme vorhanden. Die meisten Honige bestehen aus einem komplexen Gemenge zahlreicher Zuckersorten. Das geht vom Einfachzucker, dessen prominenteste Vertreter Glucose und Fructose sind, bis hin zu Vielfachzucker, den Polysacchariden. In der chemischen Darstellung ergeben sie zunehmend komplexer werdende Molekülketten. Der menschliche Körper benötigt Enzyme, um diese Zucker in ihre einfachsten Bestandteile aufzuspalten. Da er die Enzyme selbst nicht aufbringen kann, muss der Honig sie mitliefern. Dadurch wird der Honig das, was man gesund nennt – im Gegensatz beispielsweise zu Raffinadezucker, dem weißen, mit dem wir häufig den Caffé süßen.

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