Autor: Christoph

I Due Leonardo

Ausstellung in Mailand in der galleria scoglio di quarto. Damals war noch ein zusätzlicher Raum angemietet, der Bazart hieß.

Gabriella Brembati ist meine Galeristin in Mailand. Ihr Mann Stefano Soddu ist ein sardischer Bildhauer. Zeitweise hatte Gabriella zwei Galerien, eine mit Namen Bazart in einem Gebiet, das sich Fünf Höfe nennt. Die Häuser dort sind die ältesten von Mailand, doch ist der Ort verdreckt und heruntergekommen. Dennoch gibt es einen Schlagbaum und eine müde Bewacherin, die in ihrem Kabuff Radio hört und vor sich hin dämmert. Sie lässt sich durch nichts überreden, den Schlagbaum ausnahmsweise für eine Anlieferung zu öffnen. Die vier vorderen Höfe beinhalten jeweils quadratische Rundgänge, durch die man in die Wohnungen gelangt. Über diese rundum laufenden Balkone sind haufenweise Leinen gespannt und es hängt vielfarbige Wäsche zum Trocknen. Die Häuser sind drei oder vier Etagen hoch. Man sieht wenig Himmel. Im letzten Hof befinden sich ein großes Atelier, Garagen und zwei Galerien. In der einen fand meine Ausstellung statt.

Die Arbeit mit den Papierflächen war riesig und ich konnte sie in meinem Atelier nicht aufhängen. Vor der Abfahrt nach Mailand legte ich einen längeren Streifen von einem Meter Breite in der Küche aus und verpackte die Arbeit, indem ich sie faltete.

In der Galerie wischte ich zunächst den Boden, der aus ziegelroten, glasierten Kacheln besteht. Ich legte die Streifen mit dem Gesicht nach unten auf den Boden und klebte sie aneinander. Während der Arbeit daran schauten Gabriella und Stefano gelegentlich vorbei. Einmal erzählte ich ihnen, mein Atelier sei so klein, dass ich nie mehr als einen Quadratmeter der Arbeit gesehen habe. Das Gesamtmaß jedoch betrug etwas über 33 m². Ich sagte, auch für mich selber werde es eine große Überraschung, wie die Flächen wirken würden.

Gabriella stieß einen Ruf des Entsetzens aus und musste an einem kleinen Tisch in der Ecke Platz nehmen. Sie saß dort und schaute mich ungläubig an.

Stefano begann zu lächeln: „Das gefällt mir“, sagte er, „erst einen Quadratmeter gesehen.“

Ich hatte etwa zwei Monate gebraucht, um die Arbeit zu bewältigen. Als ich sie schließlich aufgehängt hatte, sagte Stefano: „Die Arbeit ist wunderschön, sie gefällt mir sehr. Aber ich glaube, du spinnst völlig.“

I Due Leonardo

Hintergrund dieser Ausstellung ist, dass ich bei der Komposition meiner Bienenarbeiten zunehmend den Goldenen Schnitt verwende. Gerade in den Papierarbeiten erscheint er mir häufig einleuchtend. Ich stehe vor der Frage nach der Anordnung und meistens kommt heraus, dass das intuitiv Gefundene nahe am Errechneten liegt. Daher war es mir ein Anliegen, die Angelegenheit auf die Spitze zu treiben und einmal im großen Format darauf einzugehen.

Der Goldene Schnitt ist ein geometrisches Teilungsverhältnis. Er taucht zuerst in der Antike auf. Euklid, der Grieche, präzisierte 300 v. Chr.: „Eine Strecke heißt stetig geteilt, wenn sich, wie die ganze Strecke zum größeren Abschnitt, so der größere Abschnitt zum kleineren verhält.” 200 Jahre später stellte Vitruv eine Verbindung zu den Maßverhältnissen des menschlichen Körpers her und machte daraus eine Verbindlichkeit der Architektur. In der Renaissance wurde der Goldene Schnitt unter der Bezeichnung Göttliche Teilung wieder aufgegriffen. Das wirft bereits ein Licht auf die Bedeutung, die er später bekommen sollte. Algebraisch ist die Teilung so beschrieben: Wurzel aus fünf minus eins, geteilt durch zwei. Eine sogenannte irrationale Zahl, sie endet nicht hinter dem Komma.

Leonardo da Vinci beschäftigte sich vor allem in seiner Mailänder Zeit ausgiebig mit Geometrie. Es heißt, er soll Modelle der Platonischen Körper nicht nur gezeichnet, sondern auch gebaut haben; das sind vielflächige und vielkantige Kugelinhalte, mit deren Hilfe in der Antike das Universum erklärt wurde. Zu ihrer Konstruktion ist mitunter der Goldene Schnitt nötig. Weiter lieferte Leonardo da Vinci zahlreiche Illustrationen zu einem Mathematikbuch. Darunter ist die besonders berühmte, häufig bemühte Zeichnung des Vitruvianischen Menschen: Ein nackter Mann mit vier Armen und vier Beinen, der einem Kreis und einem Quadrat einbeschrieben ist.

Der zweite Leonardo im Titel ist der aus Pisa, ein Mathematiker aus dem frühen dreizehnten Jahrhundert, der heute, wenn überhaupt, als Fibonacci bekannt ist. Er revolutionierte die damalige Mathematik, indem er die indische Rechenkunst einführte. Seine Lebensleistung ist, dass heute jeder nach dem von ihm importierten System rechnet. Allerdings wird er dafür wenig gewürdigt. In Mathematikerkreisen ist er berühmt für die Entdeckung einer einfachen Zahlenfolge. Sie lautet: 0-1-1-2-3-5-8- 13-21-34-55-89- … . Man erhält die jeweils nächste Zahl als Summe der beiden vorhergehenden. Eine Besonderheit der sogenannten Fibonacci- Reihe ist, dass sie sich mit aufsteigendem Zahlenwert unablässig dem Goldenen Schnitt nähert, ohne ihn je ganz zu erreichen.

In der Romantik wurden beide, der Goldene Schnitt und die Fibonacci-Reihe, mit einer gewissen Zahlenmystik aufgeladen.

In der Natur sind sie als unterliegendes Prinzip allerorten auffindbar, in Sonnenblumen, Tannenzapfen, Schneckenhäusern und Seesternen. Erst in jener Epoche bekamen sie die exklusive Bedeutung zugewiesen, die sie heute haben.

Die Flächen in der Ausstellung gehen einerseits auf die architekturalen Gegebenheiten ein, andererseits sind sie Fibonacci-Rechtecke. Das größere der beiden zum Beispiel besteht aus 55 mal 89 Quadraten. Das ergibt eine Fläche von 3,85 Metern Höhe mal 6,35 Metern Breite. Monumental und doch leicht.

Welcher Aufwand zur Anfertigung der Arbeit nötig war, kann man sich vorstellen, wenn man die Anzahl der Quadrate berechnet. Es sind genau 6765 Stück, ebenfalls eine Fibonacci-Zahl. Allerdings ist meine Auffassung ohne die geheimnisvollen Zahlenspielereien der Romantik gedacht. Manchmal lege ich Arbeiten so an, dass ihre Ausführung erfordert, in langwierige, gleichförmige Tätigkeiten einzutauchen. In der Präsentation drängt sich der Aufwand aber nicht auf. Auch die komplexen Hintergründe, der Goldene Schnitt und die Fibonacci-Reihe, ziehen sich zurück. Im Vordergrund steht das sinnliche Erleben.

(eigener Text zur Ausstellung)

In Mailand begleiteten mich meine Tochter Sumile und deren Mutter T. Sumile saß mit ihrer orangefarbenen Mütze in ihrem Klappwägelchen und lächelte. Sumiles Mutter hatte sich ganz in den Schatten zurückgezogen, da die Temperatur in der Stadt tagsüber 35Æ C erreichte. Als Helferin hatte ich eine Freundin gebeten, uns zu begleiten. Obwohl ich alles sorgfältig vorbereitet hatte, traute ich mir den Aufbau nicht allein zu. So bewegten wir beide uns in Strumpfsocken über die länglichen, nebeneinander ausgelegten Streifen umgedrehten Papiers und klebten sie auf der Rückseite zusammen. Das eigentliche Problem jedoch bestand in der Höhe des Raumes. Stefano hatte mir mitgeteilt, die Wände seien genau vier Meter hoch. Das stimmt, doch auf etwa 3,70 Metern befinden sich zwei in die Wand eingelassene Doppel-T-Träger, die den Raum durchqueren. Da meine Flächen 3,85 Meter hoch sind, stand ich vor einem Problem, das ich nicht hatte vorhersehen können. Ich setzte mich, scheuchte die anderen fort und erwog die Möglichkeiten. Schließlich entschied ich mich, die Arbeit direkt unterhalb der Stahlträger zu befestigen und sie am Boden – wie auf den Fotos zu sehen – zur Wand hin einzuschlagen. Diese Entscheidung war mir aufgezwungen, aber sie gab der Arbeit schließlich den endgültigen Schliff.

Prompt, als die Arbeit hing, erschienen Gabriella und Stefano. Wir waren alle von der Erscheinung beeindruckt. Stefano klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Du hast Mut.“

Zur Eröffnung bereitete Gabriella eine Broschüre vor, in die der ins Italienische übersetzte Text über die beiden Leonardos gesteckt war. Genau genommen entwarf Gabriella ein Konzept, während Stefano und ich mit dessen Ausführung betraut wurden. Wir fuhren in seinem Auto durch Mailand, zu Copyshops und Fotogeschäften, und ratschten. In der Broschüre lagen auch zwei Fotos des Papiers, das ich verwendet hatte. Eines zeigt einen ganzen Packen, der in Plastik eingeschweißt ist, das andere eine Schachtel voll der Quadrate, die im Maß sieben Zentimeter mal sieben Zentimeter geschnitten sind. Die Blätter werden so hergestellt, dass eine dünne silbrige Metallschicht auf dickes, holziges Papier gewalzt wird. Vermutlich besteht das Silber aus Zink oder Aluminium, dachte ich. Danach wird mit einem breiten Pinsel ein rotgelber Farbton über das Papier gewaschelt, worauf die Metallfläche in einem unbestimmbaren Goldton schimmert. Das Papier stammt aus China und wird joss-paper genannt. Joss bedeutet Pagode. Es wird für rituelle Zwecke benutzt, beispielsweise zündet man es an, wenn jemand gestorben ist. Und auf der Packung wird ausdrücklich darum ersucht, es nicht für Belanglosigkeiten zu verbraten. Der Großhandel, von dem ich es bezogen hatte, heißt ASIAEURO. Stefano setzte den Namen als Bezeichnung unter die beiden Fotos. Als Gabriella die fertige Broschüre sah, deutete sie auf den Firmennamen und sagte: „Das ist ein Leitmotiv.“

Categories: 2005

Finnegans Wake

Die ersten Male, nachdem ich den Wake aufgeschlagen und zu lesen begonnen hatte, war ich spätestens nach eineinhalb Seiten eingeschlafen. Dann begann ich, mir Passagen laut vorzulesen und stellte überrascht fest, dass er musikalisch angelegt ist. Joyce hatte ein starkes Augenleiden, das rasch um sich griff und ihn Jahr für Jahr weniger sehen ließ. Letztlich fasse ich Finnegans Wake, bildhauerisch gesprochen, als Steinbruch auf. Joyce stellt darin etwas zur Verfügung. Der Wake erschloss sich mir in erheblichem Umfang, als ich begann, zahlreiche Teile daraus Buchstabe für Buchstabe zu stempeln und den Worten nachzuspüren. Seither benutze ich Finnegans Wake in diesem Sinn.

(Wenn man jedes Wort, im Fall des Wake meistens Kunstworte, in seinen kleinsten Teilen fasst, erscheint er in seinem ursprünglichen Zustand. Alle Bestandteile, die künstlich zusammengezogen wurden, fallen auseinander. Im Anschluss schälen sich Sätze heraus, die – bildlich gesprochen – mehreren Erzählsträngen gleichzeitig folgen.)

John Cage sagt: „Finnegans Wake ist das einzige Buch, das ich immer geliebt, aber nie gelesen habe.“

Während sich der Ulysses noch eindeutig übersetzen lässt, ist das beim Wake trotz zahlreicher Bemühungen und Verrenkungen nicht mehr möglich. Viele Worte sind künstlich und weisen, da sie aus mehreren Versatzstücken zusammengezogen sind, in unterschiedliche Richtungen. Tatsächlich gibt es kein vergleichbares Werk. Vermutlich nimmt es moderne Informationstheorien vorweg. Zumindest ist es kein Buch, das als Ziel hat, den Leser auf herkömmliche Weise über etwas zu unterrichten oder ihn zu unterhalten. Viele sehen das letzte Kapitel des Ulysses, in dem der (vermeintliche) Bewusstseinsstrom von Molly Bloom aufgezeichnet ist, in den Wake münden. Das halte ich für viel zu kurz gegriffen. Finnegans Wake geht weit darüber hinaus. Die riesigen Sprünge zwischen den einzelnen Büchern von Joyce sind derart revolutionär, dass ich ihn lange Zeit nicht einmal für einen richtigen Schriftsteller hielt.

Ich stieß schnell auf die literaturwissenschaftliche Abhandlung mit dem Titel Vielfacher Schriftsinn von Klaus Reichert. Darin wird analysiert, wie Joyce die Satzstrukturen bis hin zum einzelnen Wort aufbricht. Die Rechnungen, wieviele Sprachen Eingang fanden, fallen unterschiedlich aus. Manche sagen, es seien achtzig bis hundert. Joyce hat 16 Jahre gebraucht, um es zu schreiben, von 1923 bis 1939. Er lebte in Paris, verlegte aber wegen der Besetzung von Paris durch die deutsche Wehrmacht im Jahr 1940 seinen Wohnsitz und den seiner Familie in die Schweiz. Er starb Anfang des Jahres 1941 in Zürich.

Categories: 2005

bulb

Ausstellung mit Gussobjekten im Kunstverein Ebersberg. Eröffnungsrede Hubert Mayer

Manche Studenten unserer Klasse arbeiteten mit Stearin oder Gießereiwachsen, die eine ähnliche Beschaffenheit haben wie Bienenwachs, nur dass sich durch Zuschläge die Verflüssigungstemperatur beeinflussen lässt. (Bienenwachs schmilzt bei etwa 60° C.) Mir, der ich sozusagen im Wachs versinke, fehlte der vollständige Bezug. Die Blöcke stapelten sich im Atelier und ich wusste nicht recht, was ich damit anfangen konnte. Wenn man als Künstler mit Bienen arbeitet, liegt Wachs als Werkstoff möglicherweise zu nahe. Erst die Glühbirnenarbeit verschob die Proportion zugunsten des Skulpturalen.

Glühbirnen hatten eine genormte Form. Sie unterschieden sich in Lichtstärke und -farbe und natürlich durch den Hersteller. Der war mithilfe eines aufgedruckten Firmenlogos repräsentiert. Osram beispielsweise hat einen runden Schriftzug mit 18 Millimeter Durchmesser an der Oberseite. Meine apicultura-Stempel sind ebenfalls rund, deshalb ließ ich einfach einen weiteren mit 18 Millimetern fertigen.

Aus der inneren Logik der Plastik musste ich für sie einen Prägestempel herstellen. Blei ist dafür ein gutes Material. Für den Guss der Glühbirnen genügte eine simple zweiteilige Form. Aber den Gummistempel in Blei umzugießen, war die kniffligste Aufgabe. Die Buchstaben sind sehr fein geschnitten, und das größte Problem verursachte die Gipsform. Es dauerte Tage. Das Einfachste war, eine Schraube mit einzugießen, damit sich alles auf einem Holzgriff befestigen ließ. Als Objekt sieht es zu gefällig aus. Aber es besaß seine Notwendigkeit, denn das Blei wurde im Ölbad erhitzt, damit die Schrift heiß geprägt werden konnte.

Mit Manfred Ellenrieder hatte ich ein Gespräch über das Vorfinden. Er hatte zugesagt, einen Text für einen Katalog zu schreiben, und er brauchte einige Anhaltspunkte.

Ich sagte: „Was diesen Gesichtspunkt betrifft, unterscheiden sich meine frühesten Arbeiten, die vor zwanzig Jahren entstanden sind, in nichts von den heutigen.“

Er antwortete: „Was wir sagen wollen, lässt sich mithilfe des bereits Bestehenden sagen. Wir müssen nichts erfinden, sondern die Augen offen halten.“

Categories: 2005

Die Lesungen der Honiggeschichten

Teilweise zusammen mit Kalle Laar, Musik

Nachdem das Buch Honiggeschichten gedruckt war, stellte sich die Aufgabe, an seiner Verbreitung zu arbeiten. Es war ein Anlass, über Vertriebswege nachzudenken.

Die Lesungen fügten ein bewegliches Element zu der statischen Ausstellungstätigkeit. Die Lesung war etwas Leichtes, schnell Inszeniertes. Die schriftliche Form spricht eine feinere Taktung von Zeit an. Jeder will bis auf die Minute genau bestimmen, wofür er seine Tage verplempert. Der Einzelne ist ein empfindlicher Verwalter seiner kostbaren, privaten Zeit. Man schmeißt nicht gern die halbe Stunde, die man für Hin- und Rückweg zu einer Ausstellung braucht, aus dem Fenster, nur um etwas vorzufinden, von dem man möglicherweise enttäuscht ist. Lieber holt man sich die Unterhaltung (sowie das Essen) ins Haus. Mehrere Industrien arbeiten daran, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Buch läßt sich in die feinen Intervalle einpassen. Man liest es, wie ein Bekannter sagte, im Zug, im Bett und auf dem Klo. Man liest zehn Seiten, bevor die Augen zufallen.

Das Vorlesen unternahm jeweils eine andere Person: Ulrike Budde ist Schriftstellerin, Sarah Matthier ist Schauspielerin, Alexander Bauer ist Architekt. Zwei Events fanden zusammen mit dem Klangkünstler Kalle Laar statt, der Insektenschwärme und andere merkwürdige Klänge präsentierte. Ich bemühte mich, unterschiedliche Kreise anzusprechen. So fand eine Lesung in den Räumen der SZ-Lokalredaktion in Ebersberg statt, eine zweite in der Seidlvilla, München, und eine dritte in der Galerie Steinle, ebenfalls München. Für weitere Orte gab es Zusagen. Aber es war angezeigt, im nahen Umkreis von München zu bleiben. Schließlich sind es die städtischen Schauplätze, die einen Teil der Färbung im Buch ausmachen.

Categories: 2006

Tage mit Erhöhter Schwerkraft

Gemeinschaftsausstellung mit Michael von Brentano in der Galerie Markt Bruckmühl. Rede zur Eröffnung Wilhelm Warning

Im Erdgeschoß präsentierten wir gemeinsam einen Raum. Im ersten Stock zeigte ich: Der Goldene Faden. Unterm Dach zeigte Michael seine Arbeit: Das Lager des Bildhauers oder Sprechen Sie laut und deutlich.

Der Goldene Faden

Der Titel ist eine direkte Anspielung auf den Roten Faden, der im übertragenen Sinn ein Leitmotiv bezeichnet. Eine verstecktere Anspielung ist der sogenannte Ariadnefaden. Er war der griechischen Mythologie zufolge ein Geschenk der Prinzessin Ariadne, Tochter des kretischen Königs Minos, an Theseus. Der fand den Weg durch das Labyrinth, in dem sich der Minotauros befand. Nachdem Theseus den Minotauros getötet hatte, konnte er entlang des Fadens, den er ausgerollt hatte, das Labyrinth wieder verlassen. Der Hinweis für die Verwendung des Fadens stammte von Daedalus, der auch das Labyrinth entworfen hatte.

Die Arbeit Der Goldene Faden war in Bruckmühl über ein Stockwerk ausgebreitet: drei Räume und ein Flur. Die schillernde Linie lief in derselben Höhe dahin, einmal rundum. Als ich in der Vorbereitungsphase aus einem Plan die Gesamtlänge aller Wände addierte, kam ich auf etwa 50 Meter. Natürlich täuscht diese Zahl, denn man quetscht nicht in jeden Winkel ein Blatt. Ursprünglich hatte ich sogar vorgehabt, immer wieder Strecken leer zu lassen. Aber bei der Hängung stellte ich fest, dass dafür die Räume zu verschachtelt sind. Es wurde mir stattdessen wichtig, den Eindruck von Fülle zu erzeugen. Und nach dem Aufbau blieb ein Konvolut zurück, das weitere zwei bis drei Räume ausgefüllt hätte.

Für den ersten und größten Raum bemühte ich die Arbeit zur Bienenanatomie, die im Jahr 2000 teilweise in der Offenen Galerie im Gasteig in München ausgestellt gewesen war. Damals hatte ich nur einen kleinen Teil der Blätter zeigen können. Auch diesmal reichte der Platz nicht im Mindesten und ich beschränkte mich auf einige Schlüsselmotive: die Samenblase der Königin, die Wahrnehmungsorgane einschließlich der Ganglien und verschiedene Muskulaturen. Zwischen diese schwarz-weißen Blätter voll ausgefallener, üppiger Formen montierte ich Geschenkpapiere mit Blumenmotiven

Der zweite Raum war still und zurückgenommen. Dort behandelte ich verschiedene Arten der Beute beziehungsweise deren Entwicklung vom Baumstamm zum Magazin sowie diverse Arten von Körben. Meine Aufarbeitung dieses Themas ist nicht abgeschlossen, sie ist weder systematisch noch erschöpfend, aber die Anzahl der Blätter sprengte bereits den Rahmen. Es war mein Lieblingsraum. Die Formate sind kleiner und die Bilder kompakter, die Aufnahmen sind schwarz-weiß, jedoch auf dem Farbkopierer vervielfältigt, wodurch eine latente, schwache Farbigkeit entsteht. Durch weitere und engere Abstände schälen sich Themengruppen heraus. Neben die überbordenden Naturformen ist die orthogonale Schlichtheit der menschlichen Formensprache gesetzt. Allerdings brach ich die Kälte des rechten Winkels, indem ich vorwiegend alte Kisten aus Holz zeigte.

Im Bienenstock fand, wie bereits erwähnt, die imkerliche Revolution durch den Einsatz beweglicher Holzstäbchen statt. Man legte sie in einem Abstand, den man als geeignet erkannt hatte, nebeneinander oben auf. Anschließend erweiterte man den Gedanken und benutzte Holzrähmchen. Bienen errichten ihren Bau nach fast jeder Vorgabe und es bedeutet, anders als behauptet, keine Härte für sie.

In den dritten Raum gelangte man durch den zweiten. Hier verwendete ich mit dem Rasterelektronenmikroskop aufgenommene und eingefärbte Blütenpollen in gigantischer Vergrößerung. Es war meine Hauptarbeit. Ich hatte die Anordnungen innerhalb jeden Blattes tagelang ausgetüftelt.

Die Motive sind wie meistens in umgebende Träger eingelassen. Diesmal jedoch besteht es aus Transparentpapier, das beidseitig mit klarsichtiger Klebefolie versiegelt ist. Die Proportion stellt die der Gläser beim Mikroskopieren nach. Dem hermetisch stillen Raum folgte ein knallbunter mit großen Formaten und spiegelnden Oberflächen. Da das Rasterelektronenmikroskop nur schwarz-weiße Bilder liefert, erarbeitet eine Person am Rechner eigens die Einfärbungen. Die tatsächlichen Farben lassen sich wegen der Winzigkeit der Partikel nicht erkennen. Betreffs der Färbung gibt es national unterschiedliche Auffassungen. Die Nordamerikaner, wie ich las, kolorieren die gleichen Aufnahmen in den schrillsten Farben. Bei uns spürt man, wie ich las, dem Wahrscheinlichen nach. Dennoch ist das Buch, aus dem ich die Bilder habe, ein einziger Farbrausch.

Categories: 2006

open source

Ab dem Jahr 2012 begann ich, den informatischen Austausch zwischen Bienen und Pflanzen oder zwischen ihnen untereinander zu untersuchen. Augenscheinlich müssen Informationen hin und her gereicht werden, wenn sich Bienen und Pflanzen über den Zeitpunkt der täglichen Nektarabsonderung abstimmen und diesen möglicherweise verschieben, oder wenn die Pflanzen die Nektarzusammensetzungen ändern, damit die Bienen lieber kommen, oder wenn sie zu den anderen Maßnahmen greifen, die schon erwähnt worden sind. In all diesen Fällen müssen die Pflanzen sich untereinander verständigen.

Mir fielen Formen auf, die gar keinen anderen Schluss zulassen, als dass sich Bienen verschiedener Völker vernetzen. Spannend wird es, finde ich, wenn Völker untereinander kommunizieren, die nebeneinander oder am selben Stand stehen. Sie tauschen beispielsweise genetische Informationen aus, wenn die Königin des einen durch Drohnen aus mehreren anderen befruchtet wird. In geografisch ähnlichen Gegenden kann es ein Schwarmjahr geben, in dem sich Bienen häufig teilen, während in anderen Jahren absolute Stille herrscht. Dies könnte auf eine klimatische Information zurückgehen.

Bienen hinterlassen auf Blüten, die sie gerade abgeerntet haben, deren Nektar zur Gänze von ihnen aufgeschlürft wurde, eine Geruchssignatur. Das hält andere Bienen, womöglich andere Insekten jeglicher Art, davon ab, dort zu suchen. Es spart Zeit. Pflanzen produzieren den Nektar schnell neu, oft zweimal täglich in größerem Umfang, so dass die Signatur bis dahin, so vermutete ich, verflogen sein muss.

Solche Geheimnisse sammelte ich zunächst, bevor ich ihnen auf den Grund gehen wollte. Ich legte eine Liste an. Doch das Vorhaben blieb unsystematisch und aus wissenschaftlicher Sicht laienhaft. Wie ich später erfuhr, wurden gerade diese Themen von führenden Botanikern vorangetrieben.

Categories: 2012

Pfisterbiene

Eines Tages entdeckte ich auf dem Einwickelpapier einer Münchner Bäckereikette eine Biene. Da man das Papier ständig neu druckte und das Motiv von der Größe her veränderte, wurde der Bienenkörper gelegentlich riesig, dann schrumpfte er auf das Originalmaß einer echten Biene oder wurde so klein, dass er kaum ins Auge fiel. Lange prangte sie in sehr hellem Blau, dann wurde sie dunkelblau. Das Papier selbst wirkt sehr einfach und ich begann, mich zu wundern, wie das Brot so lange frisch bleiben konnte. Dann fiel mir auf, dass außen das Bedruckte liegt, und innen ist eine hauchdünne Plastikfolie aufgezogen. Die lässt sich mit etwas Geschick abziehen. Zusätzlich sind alle paar Zentimeter kleine Luftlöcher eingestanzt. Das Brot bleibt lange frisch und ich staunte, wie weit die Kenntnis über dessen Alterungsverhalten fortgeschritten ist.

Nachdem die Folie abgezogen ist, bleibt ein hauchdünnes Papier, es kann höchstens 20 Gramm schwer sein. Beim Aufkleben scheint sofort die Farbe des Untergrundes durch.

Da viele Freunde in München leben und Filialen in direkter Nähe ihrer Wohnungen liegen, bat ich sie, diese Bienen für mich zu sammeln. Daraus entwickelte sich dann beinahe ein Sport. Plötzlich drückten mir Freunde von Freunden, Menschen, die ich gar nicht kannte, kleine Umschläge in die Hand, in denen sich einige ausgeschnittene Bienen fanden. Manche Sammler lernte ich nicht einmal kennen, denn sie ließen unbekannterweise, wenn sie die Gemeinschaftswohnung betraten, ihren Umschlag auf dem Kühlschrank liegen. Es wurde ein Spiel, bis ich eine ganze Schachtel davon füllen konnte, in den verschiedensten Größen und Farben. Danach ließ ich weitersagen, als handle es sich um Stille Post, dass es nun genug sei.

Leabhar Cheanannais

Categories: 2013

Orientalische Mörtelwespe

Im Jahr 2013 gab es einen milden Sommer und ich hatte wochenlang das Fenster geöffnet. Während dieser Zeit baute ein mir unbekanntes Insekt so etwas Ähnliches wie Amphoren aus hartem, leicht porösem Lehm. Sie waren oben wie unten gleich geformt und an der Innenseite einer ledernen Fototasche befestigt. Darin befand sich eine veraltete analoge Kamera, mit der ich früher fotografiert hatte. Ich öffnete die Tasche nie und holte sie nie vom Schrank, wollte sie aber auch nicht weggeben. Ich fragte mich jedoch, ob das Insekt das gewusst haben konnte. Vielleicht war ich mitsamt meinen Gewohnheiten ausgekundschaftet worden. Als es dann kälter wurde und ich das Fenster geschlossen hatte, flog das Insekt von innen gegen die Scheibe und landete auf dem unteren Falz. Es hatte wohl nach seiner Brut sehen wollen. Meine Tochter war gerade da und wir machten Fotos und versuchten, seine Gattung zu bestimmen, wir wollten wenigstens den Namen erfahren.

Jahre später, nachdem die Redakteurin des Blogs www.wildermeter.de die Bilder in ein Bestimmungsforum gestellt hatte und Spezialisten sich darüber hermachten, erfuhr ich, was für eine Art es gewesen war. Es handelte sich um die Orientalische Mörtelwespe, die eigentlich aus Indien und Nepal stammt. Ihr Hinterleib ist braun und schwarz und gelb gestreift, die Einschnürung lang, die Beine leicht rötlich. Wir ließen sie gleich hinausfliegen und sie ließ sich dafür nicht mehr blicken. Sie ist eine harmlose Wespenart. Sie betäubt Spinnen und legt sie ihrer Brut als Nahrung bei.

Aus den ägyptischen Lehmgefäßen schlüpfte später keine Brut. Wir wollten sie nicht aufbrechen, sondern bewunderten ihre hermetische Form von außen. Ich weiß nicht mehr, wie ich auf die Tasche gekommen war. Manchmal versetzt man sich in etwas hinein, und sei es eine seltene Wespe und denkt sich den unmöglichsten Platz aus.

Categories: 2013

treppauf treppab

Ausstellung in den Betriebsstätten der ehemaligen Isarthalbahn

Veranstalter: www.kunst-im-bau.org

Im Sommer des Jahres 1981 und später in dem des Jahres 1987 erkundete ich zufuß die Gegend um Lengenwies, das zwischen Eurasburg und Beuerberg im Münchner Voralpenland liegt. Damals arbeitete ich jeweils am ersten, dann am zweiten Umbau eines riesigen Anwesens mit. Beim zweiten hatten wir uns den Dachstuhl vorgenommen. Wir rissen den ersten ab, weil er zu schwer war, und setzten einen neuen auf. Abends ließen wir die Beine nach draußen baumeln, hielten uns an einer Flasche Bier fest und betrachteten unspektakuläre Sonnenuntergänge.

Mein eigentliches Interesse allerdings galt den blühenden Pflanzen. Beispielsweise stieg ich frühmorgens vor Arbeitsbeginn auf Storchenbeinen über taunasse Wiesen und betrachtete Blütenformen. An den arbeitsfreien Tagen und den Wochenenden schritt ich die Umgegend ab und erstellte in meinem Kopf so etwas wie eine topographische Karte mit Höhenlinien. Etwa fünfzig Meter über dem Fluss stieß ich auf ein völlig zugewuchertes, ehemals aufgeschottertes, ebenes und schmales Band, das sich zwischen dichten Gebüschen hindurch schlängelt. Der Untergrund ist dort ein wenig kalkhaltig. Wer Pflanzen anschaut, erhält neben der Systematik, die auf Linné zurückgeht, und den physiologischen Eigenheiten, die auf Darwin und besonders auf seinen Sohn Francis zurückgehen, Auskünfte über den Boden. Nimmt man die Erkenntnisse von Delpino, einem italienischen Biologen, hinzu, ist man vollauf ausgestattet.

Es gibt ein einfaches Pflanzenbestimmungsbuch, das heißt: Was blüht denn da? Damals trug ich es ständig mit mir herum. Wie zu Spitzwegs Zeiten die Botanisierbüchse, war es mein Ausweis.

Unknown authorUnknown author, Cagecunninghamdiba-300×233, Unknown

Das in ebener Fläche aufgeschüttete Band, das erkannte ich vage, ist ein still gelegtes Gleisbett. Dem fehlten die Schienen. Dafür standen überall dornige Schlehenhecken. An denen zerriss ich mir die Kleidung und am Ginster fing ich mir Zecken ein. Sobald sich freie Flächen öffneten, bildeten sich abgeschiedene, sonnige Oasen. Dort standen Pflanzen, hinter denen ich seit Langem her war. Es sind Ragwurzen, auch Knabenkräuter genannt, eine heimische Art wilder Orchideen. Sie sind wärmeliebend und selten. Ihre Blüten sind kompliziert gebaut und ihre Namen häufig auf Insekten bezogen, von denen sie beflogen werden. Beispielsweise gibt es eine Hummelragwurz. Ihre Blüte ist groß und samtig behaart. Es heißt, ihre Form ähnele dem Hinterleib einer Hummel. Viele sind nicht einheitlich farbig, sondern mehrfarbig. Das Bestimmungsbuch ordnet sie unter rot ein, was ich für verfehlt halte, denn ihr Mittelteil ist bestenfalls braun. Es heißt weiter: „Die zwei hodenförmigen Wurzelknollen der Knabenkräuter haben der gesamten Pflanzenfamilie ihren Namen gegeben.“

Als ich betreffs des verwunschenen Gleisbetts, das heute ein geteerter Fahrradweg ist, herumfragte, wussten vorwiegend die alten Leute Bescheid. Es sei ehemalig, hörte ich, und habe in die Landeshauptstadt hinein geführt, bis an deren südliche Grenze. Es habe zur Isarthalbahn gehört, aber das sei, wie gesagt, lang her. Als Schlaumeier wollte ich wissen, wie man von einer Isarthalbahn sprechen könne, wenn unten sich die Loisach dahin winde. Die alten Leute starrten mich entgeistert an. Erst hatten sie mich umstanden, jetzt lösten sie sich und diskutierten untereinander weiter. Sie sprachen auf eine Weise davon, als sei die Sache in ihrer Kindheit bereits zu Ende gegangen. Manche behaupteten, die Hauptstrecke habe sowieso in Wolfratshausen geendet, sei aber bis dorthin lang betrieben worden und mit Elektrik. Andere widersprachen und benannten Beuerberg als Endstation, wieder andere wollten weit darüber hinaus gefahren sein, bis an die ersten Ausläufer des Gebirges.

Die Arbeit war direkt auf die Wand gestempelt

Categories: 2014

Magnetfeldorientierung

Das Bienenlexikon erklärt: „Bei älteren Bienenlarven und während der Puppenphase werden im vorderen Bereich des Hinterleibs in der Nähe des einen der beiden Schweresinnesorgane über eine Million feiner, parallel ausgerichteter, eisenhaltiger Kristalle, wahrscheinlich Magnetitpartikel angehäuft, die durch nichtmagnetische Substanzen voneinander getrennt sind. Diese eisenhaltigen Teilchen bewirken die Entstehung eines senkrecht zur Körperachse der Biene gelagerten Magnetfeldes. Die Wachstumsrichtung der Magnetitkristalle, die zur Ausrichtung des remanenten Magnetfeldes führt, wird offensichtlich während der Puppenruhe festgelegt. Bei frisch getöteten (?) Bienen ließ sich nachweisen, dass die Magnetfeldlinien in der horizontalen Ebene des Bienenkörpers verlaufen. Die Bienen sind mithilfe des Magnetfeldes in der Lage, die Feldlinienrichtung des Erdmagnetfeldes und auch dessen diurnale Schwankungen wahrzunehmen. Auf diese Weise wird (…) ein exakter Zeitgeber wirksam, der den Tagesrhythmus der Honigbienen bestimmt.“

Der geografische Nordpol und dessen Gegenüber, der Südpol, richten sich nach der Achse, um die sich die Erde dreht. Von dort gehen die Linien aus, die als Gitter über die Erdkugel gelegt werden und Ortsbestimmungen in Länge und Breite zulassen. Der magnetische Nordpol jedoch liegt vom geografischen entfernt, teilweise um die 1000 km. Es heißt: Folgte man der Kompassnadel Richtung Norden, käme man unweigerlich zu diesem Pol, jedoch nicht auf dem kürzesten Weg. Das magnetische Gitter liegt seitlich verzogen über dem Erdball, wie ein schlampig übergestülptes Haarnetz. Nahe der Pole beispielsweise macht es noch eine starke Krümmung. Es gibt zusätzlich innerhalb des Feldes eine Reihe von örtlichen Abweichungen, beispielsweise wenn man über einem Flöz aus Magnetit steht oder wenn man die Kompassnadel einfach durch einen starken Magneten, den man in deren Nähe bringt, ablenkt. Mitunter wird behauptet, Überlandleitungen erzeugten eine weithin spürbare magnetische Abweichung, ebenso Handies. Die Deklination ist nicht statisch. Im November des Jahres 2016 betrug sie in München genau 3° 0′. Das gesamte Magnetfeld wandert im Lauf der Jahrhunderte Richtung Osten.

Das Feld sieht beiderseits, wie man heute weiß, völlig chaotisch aus, wie ein nasser Hund mit strubbeligen Haaren. Der magnetische Strom tritt nicht nur an den Polen aus, sondern weit vorher, als handle es sich um einen stark verkürzten Stabmagneten, der im Inneren der Erde stecke.

Die entsprechenden Sinnesorgane der Tiere begann man erst ab den sechziger Jahren zu erforschen, obwohl sich Züchter von Brieftauben längst über die Herkunft der Navigationsleistungen ihrer Schützlinge im Klaren waren. Bei den Zugvögeln mit Sommer- und Winterquartieren, den Fischen und Meeressäugern, die über weite Strecken schwimmen und präzise ankommen, den Honigbienen oder den Hornissen, die im Dunklen fliegen können, geht man von der Nutzung des Erdmagnetfeldes aus. (Übrigens sind auch bestimmte Bakterien dazu in der Lage.)

Weniger weiß man, wie die Tiere, die es wahrnehmen, die Informationen darüber an ihr Gehirn übermitteln, sie verarbeiten und in Handlungen umsetzen oder welche Störungen auftreten können. Als ich letztes Mal darüber las, konnte ich nicht herausbekommen, wie weit die wissenschaftliche Erforschung der Rezeptoren gelangt war. Anscheinend bereitete die Umwandlung in den elektronischen Impuls, der zum Gehirn führt, den Forschern die größten Schwierigkeiten.

Das Feld sieht beiderseits, wie man heute weiß, völlig chaotisch aus, wie ein nasser Hund mit strubbeligen Haaren. Der magnetische Strom tritt nicht nur an den Polen aus, sondern weit vorher, als handle es sich um einen stark verkürzten Stabmagneten, der im Inneren der Erde stecke.

Die entsprechenden Sinnesorgane der Tiere begann man erst ab den sechziger Jahren zu erforschen, obwohl sich Züchter von Brieftauben längst über die Herkunft der Navigationsleistungen ihrer Schützlinge im Klaren waren. Bei den Zugvögeln mit Sommer- und Winterquartieren, den Fischen und Meeressäugern, die über weite Strecken schwimmen und präzise ankommen, den Honigbienen oder den Hornissen, die im Dunklen fliegen können, geht man von der Nutzung des Erdmagnetfeldes aus. (Übrigens sind auch bestimmte Bakterien dazu in der Lage.)

Weniger weiß man, wie die Tiere, die es wahrnehmen, die Informationen darüber an ihr Gehirn übermitteln, sie verarbeiten und in Handlungen umsetzen oder welche Störungen auftreten können. Als ich letztes Mal darüber las, konnte ich nicht herausbekommen, wie weit die wissenschaftliche Erforschung der Rezeptoren gelangt war. Anscheinend bereitete die Umwandlung in den elektronischen Impuls, der zum Gehirn führt, den Forschern die größten Schwierigkeiten.

Categories: 2014